Freitag, 16. Dezember 2011

Gespräche unter Leuten...........

Gestern Morgen vor einem Bekleidungsgeschäft im Örtchen.

Beteiligte: Lisbeth Kerkenbrink und Annie Schulte-Schmedding.
Interessierte Lauscherin in dunkler Ecke: Juliane Fadenwirkerin.
Alle Namen (bis auf meinen) sind frei erfunden.

Es ist 08:57 Uhr und Lisbeth Kerkenbrink steuert auf die Tür des Bekleidungsgeschäftes zu.
Das Licht brennt schon und Lisbeth freut sich. Es ist bereits geöffnet. Fleißig, fleißig, die Verkäuferin.
Doch die Tür öffnet nicht. Kurz bevor Lisbeth vor die Scheibe rennt kommt die Erkenntnis: Es ist noch nicht offen! Lisbeth bremst. Gerade noch rechtzeitig. Sie stutzt, tritt einen Schritt zurück, schaut hoch zum widerspenstigen Öffnungsmechnanismus und tritt einen prüfenden Schritt wieder vor. Die Tür bleibt verschlossen. Ein tiefer Seufzer, ein Kopfschütteln, der Korb am Arm wackelt auf und nieder als Lisbeth die Hände in die Jackentaschen steckt.
Das Wetter ist windig, naßkalt und überaus unerquicklich um vor einer verschlossenen Tür zu warten.
Hilft aber nichts.
Lisbeth stellt sich neben eine andere wartende Dame. Nennen wir sie Annie Schulte-Schmedding. In trauter Eintracht wird das Sonderangebotsblättken im Schaufenster studiert.
Ein Seufzen. Lisbeth schaut auf die Uhr. 09:00 Uhr. Die Tür ist immer noch geschlossen.
"Die ist spät dran!" Lisbeth spricht zur Schaufensterscheibe, zu Annie und zur Welt im Allgemeinen. Annie nickt. "Ja!"
Stille............................
Lisbeth beugt sich verschwörerisch zu Annie:"Hat wohl verschlafen!"
Annie nickt beifällig: "Jaja, wenn man abends mit dem Hintern nicht ins Bett kommt!"
Beide nicken, so etwas hätte es früher nicht gegeben.
Stille.................
Lisbeth:"Rösken Niebaum, war zu ihrer Zeit auch immer einen Takken zu spät!"
Annie: "Die, die mit Niebaums Heinz verheiratet war? War das nicht eine Cousine von Brinkmanns Angela?"
Lisbeth: "Nein, Rösken war die Tochter von Alfred Winkelmann. Hat einen Herzanfall gehabt."
Annie ist erschrocken: "Rösken?"
Lisbeth winkt ab: "Nein, Winkelmanns Alfred. Lag eines morgens tot im Bett."
Beide schauen zur Tür. Immer noch geschlossen. Beide schauen auf ihre Uhren und dann zur Kirchturmuhr. "Der Pastor könnte die auch noch mal stellen! Geht 2 Minuten nach!"
Annie weiß nicht so recht: "Bei mir ist auch erst neun!"
Lisbeth schüttelt den Kopf: "Meine geht ganz genau. Unser Hubert hat sie vor kurzem erst gestellt." Annie nimmt diese Weisheit an und stellt ihre Uhr nach, danach sehen sich beide Frauen prüfend an.
Annie runzelt die Stirn: "Sagen Sie mal! Kenn' ich Sie woher?"
Da endlich geht die Tür und auf ein fröhliches "Guten Morgen" ertönt, beide Frauen drehen sich um und treten grußlos ein. Annie geht schnurstracks zur Oberbekleidung und Lisbeth startet zur Unterwäscheabteilung durch.
Geredet wird nicht mehr. Was haben sie schon miteinander zu sprechen?

Kommentare:

  1. bah....das ist wirklich aus dem leben. ich hasse kunden, die in den laden kommen und nicht mal ein kurzes *guten morgen* rausbringen.
    denen schmettere ich grundsätzlich ein extralautes GUTÄÄÄÄÄÄÄN MORGÄÄÄÄÄN entgegen. manchmal klappt das*g
    liebe grüße
    und einen schönen 3advent
    silke

    AntwortenLöschen
  2. Habe wieder herzhaft gelacht, "der Pfarrer könnte mal die Uhr stellen" - köstlich.....Danke Juliane für diesen tollen Alltagssketch - ist ja eigentlich kein Sketch, das Leben schreibt die lustigsten Geschichten...und Du verfeinerst diese mit Deiner tollen Schreibe.
    @Frau Socke: Bei uns wird den Kunden fast nirgendwo ein "Guten Morgen/Tag/Abend" gesagt :-( - das übernehme ich als Kundin dafür umso deutlicher - genau so das Bitte, Danke und Auf Wiedersehen an der Kasse. Oder ich werde in einem bestimmten Geschäft jedesmal wenn ich an der Verkäuferin vorbeilaufe (10 Mal in 5 Minuten) gegrüßt - das ist auch nervig, soooo viele Kunden sind dort dann auch wieder nicht und ich verändere mich sicher nicht so stark (in 5 Minuten) ;-)

    LG Dani

    AntwortenLöschen
  3. hehe, man merkt gleich, dass du nicht in irland wohnst. hier ist es ganz normal, wenn laeden ein paar minuten zu spaet erst oeffnen, oder auch buecherei usw... da wuerden sich nur wir deutsche beschweren:)) man gewoehnt sich an allem (auch am dativ:)) nicht umsonst heisst es auch hier gern "manana"....
    ich wuensch dir trotz frau mueller-luedenscheidt und ihrer kollegin einen schoenen 4. advent!
    Bettina (aus irland, wo wir letzte nacht sogar schnee hatten... jetzt bloss noch glatteis)

    AntwortenLöschen
  4. Totale Situationskomik!
    Es klingt wie eine Mischung aus Loriot und Joseph von Lauff - einfach zum Lachen.

    Danke für die lustige Geschichte!

    Ich wünsche Dir einen schönen Adventssonntag!

    Herzliche Grüße, Gisela

    AntwortenLöschen