Mittwoch, 12. Oktober 2011

Die Menschen, Beziehungen und Einkaufrituale......

In der letzten Zeit habe ich ein wenig Feldforschung betrieben und mir an der Supermarktkasse die Dramen angesehen, die sich dort abspielen......
Schon 2009 hatte ich einmal einen Post dazu geschrieben.

Nach und nach habe ich während dieser Studien folgende Erkenntnisse zusammengetragen:

Männer: Der Einkauf wird mit beiden Händen und im Eiltempo auf das Band gelegt. Dann wird aufrecht stehend und mit festem Blick auf das Strafmaß (Gesamtsumme) gewartet und jetzt erst die Geldbörse aus der hinteren Hosentasche gezogen um zu bezahlen. Fertig.

60% der Frauen: Es wird sich der Kasse genähert und kaum hat der Einkaufskorb Förderbandberührung legt sich sichtbar im Kopf der Dame ein Schalter um. Klick! Es materialisiert aus der Luft eine gro00ße Geldbörse und schmiegt sich weich in die Hand der Besitzerin. Aus einer aufrecht stehenden Frau wird ein Geschöpf in der berühmten Quasimodo-Haltung. Linke Schulter hochgezogen, dadurch neigt sich der Oberkörper ein wenig nach rechts unten, der linke Arm angewinkelt und die (nunmehr unbrauchbare) linke Hand ruht knapp unter der Brust der Besitzerin. Die Handfläche nach oben, umklammern starre Krallenfinger die Geldbörse (ein Accessoire das Quasimodo nicht hatte, der hatte nur Esmeralda). Der Rest ist bekannt. Einarmiges aus-und wieder einräumen.

Ältere Ehepaare, bei denen er noch die Oberhoheit über die Geldbörse hat:
Einfaches Ansteuern der Kasse. Die Frau räumt mit beiden (!) Händen die Waren auf das Band. Der Mann bewacht seine Frau und das künftige Hab und Gut und sichert die Umgebung. Vielleicht erwartet er einen feindlichen Übergriff auf das Apfelkompott? Wer weiß?
Danach wird mit großer Geste aus der hinteren Hosentasche oder wahlweise dem Männerhandtäschchen die Geldbörse gezückt und der Ehefrau überantwortet. Bezahlen ist Weiberkram. Die Frau bezahlt und gibt die Geldbörse zurück. Danach schiebt das Ehepaar ab. Das heißt, die Frau schiebt den schweren Einkaufswagen, während der Ehemann als Vorhut zwei Schritte vor der Dame seines Herzens geht um jeglichen Angreifer mit einem Schlag niederzustrecken.

Ältere Ehepaare, bei denen er augenscheinlich nur als Chauffeur und Lastenesel mitgekommen wird:
Ansteuern der Kasse. "Da! Halt mal!" Die Ehefrau drückt ihrem Mann die Handtasche an die Brust (er taumelt leicht, kann sich aber fangen) und räumt resolut die Waren auf das Band. Der Gemahl steht daneben, leicht verwirrt und unschlüssig. Tief in seinem Inneren weiß er genau, daß da etwas schief läuft für ihn. Zum Bezahlen ein souveräner Wink in Richtung des Ehegatten. Die Handtasche wird wieder überreicht, die Ware bezahlt. Währenddessen hat sich der Gatte den Wagen geschnappt und ist schon mal zum Auto losgetigert. Wahrscheinlich betet er um einen Angreifer (bitte nicht zu groß) um es ihm mal richtig zeigen zu können.....

Junge/Moderne Paare:
Mal schiebt sie den Einkaufswagen und mal er. Beim Auflegen der Ware auf das Band wird die Arbeit "gerecht" verteilt. Er greift mit beiden Händen zu und räumt richtig auf, während sie sich (zumeist) an ihrer Geldbörse festhält und das eine oder andere Teil, das sich dem Zweifinger-Klammergriff nicht entziehen kann, beisteuert. Der Rat des Partners "Steck' doch die Geldbörse weg, die brauchst Du doch noch gar nicht!" wird ignoriert, der Partner bekommt einen giftigen und empörten Blick nach dem Motto "Du verstehst auch gar nichts". Er kapiert den Hinweis und hält fürderhin den Mund. Was soll auch so ein unqualifizierter Rat? Dann steht das Bezahlen an: Sie hat die Geldbörse in der Hand und greift hinein, während er auch seine Geldbörse zückt und ebenfalls bezahlen will. Es entspannt sich eine leise, kurze und heftige Auseinandersetzung zwischen den Beiden über die Bezahlreihenfolge, männlichem Chauvinismus, weiblichem Starrsinn, sonstigen Partnerschaftsproblemen etc. Dem Sieger winkt das Vorrecht bezahlen zu dürfen.

Also mal ehrlich:
Meine Mitmenschen sind ein Quell nimmer versiegender Geschichtenströme.
Feldforschung kann sooo fruchtbar sein!

Edit: Die vorgestellten Beispiele erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es gibt ja soooo viel zu beleuchten. Damit könnte ich Tage verbringen. Vielleicht auch über die verschiedenen Arten zu bezahlen (Kategorie: EC-Karten-Kleinstbeträge-Bezahler, Pfennigsucher, verwirrter Geldbörsenkramer etc.). Das würde sich auch nochmal lohnen.

Kommentare:

  1. Hallo Jule,

    was bist du heute wieder schreibwütig. Erst der tolle Post mit deinem Nachbarn (der Arme) und jetz der hier. Beide klasse und vollkommen nachvollziehbar.
    Die Einkaufrituale hab ich so auch schon beobachtet. Ich hätte sie aber niemals so toll in Wort und Schrift bringen können wie du. Ich kam um ein Schmunzeln nich herum.

    Danke dafür!!!

    Liebe Grüße
    Diana

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  2. Gut beobachtet und herrlich beschrieben. (grins)

    Danke

    LG Heike

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  3. hehe, ich hab ein breites grinsen im gesicht:)) aber - du hast eine gruppe vergessen (oder wir sind so rar, dass es uns garnicht geben duerfte?:))! ich packe zweiarmig auf, auch, wenn ich allein bin und bezahle dann hinterher - wie ein echter kerl eigentlich... und mein mann stuerzt sich ohne aufpacken richtung kartonsammelstelle, um da das richtige zu besorgen - und packt dann ein.... hm, das gibt mir nun zu denken! sind wir nun total normal oder total unnormal?:))

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  4. @Bettina: Jau, Ihr seid viel zu normal. *grins* Ich falle auch nicht in die Kategorie der Frauen, die ich beschrieben habe. Aber wenn ich alles beschreiben wollte, dann könnte ich mehrere Seiten füllen.
    Mal abgesehen davon müßte ich mal einen Post über die verschiedenen Arten der Bezahlerei schreiben. Es wird ja so unterschiedlich in den Geldbörsen herumgekramt. *giggel*

    LG von Juliane

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  5. wunderbar erzählr..so ein lachen tut so gut..
    aber ich habe auch schon erlebt..geld reicht nicht.
    .oder bezahle mit karte geheimzahl stimmt nicht..
    heiße stirn,aber dann sehe ich, falsche EC-karte..und dann klappt es doch..
    aber früher bei aldi We-einkauf geld reicht nicht..das hieß alles zurückbonnen-riesen-einkaufswagen zurückpacken,-dann neu bon-nen die kasse konnte nicht subtrahieren,,danach kaufte ich in kleinen haufen ein..wichtig..nicht so wichtig ,unwichtig..
    und ich gehöre zum typ portemannaie sofort zücken und dann stört es..aber bekomme es nicht geändert...bin nun am rätseln warum wohl?
    gruß wiebke

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  6. Hahaha du hast aber noch was vergessen unter der Rubrik Mann sichert Umgebung und bezahlt mit großer Geste. Also Mann lernt vorher noch die Nummer des Einkauswagens auswendig um sich stolz von der Kassiererin loben zu lassen. Hihihi.

    LG Bärbel

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  7. Ja, genau so! *hihi* Ich sehe sie in Gedanken alle vor mir. Es ist ja fast schon schade, dass die Schlange vor der Kassse immer so schnell alle ist ;o)

    Ein schöner Post.
    LG Kerstin

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  8. Wie ist das herrlich beschrieben!!!
    Das zaubert das ganz schnell ein dickes Grinsen ins Gesicht und da kannste drauf wetten: Beim nächsten Einkauf werde ich garantiert an deine Worte denken.

    LG von Kathrin

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  9. Hallo Jule,
    ich habe noch eine andere Variante, er schiebt den Wagen räumt ihn aus und wieder ein, fährt ans Auto räumt alles Ordnundsgemäßig ( Kühltasche etc.) ein.
    Ich bezahle und schieben dann den leeren Wagen an die Station.
    Wir sind ein frisches Rentnerehepaar und beobachten auch die Leute nach ihren Eigenarten. Sehr viele Bekanntschaften haben wir schon gemacht, weil wir immer zur gleichen Zeit einkaufen gehen.
    Sehr gut beobachtet.
    Liebe Grüße
    Hannelore

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  10. @Hannelore: So wie Du das Einkaufen mit Deinem Mann beschreibst, so ist es schön.

    LG von Juliane

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  11. Liebe Juliane,

    wenn Du wüsstest,wie oft ich innerlich lachend an einer Kasse stehe weil ich an Deinen herrlichen Post von 2009 denken muss.... *grins*

    Danke für diese wundervolle Feldforschung :)

    LG Barbara

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  12. Hihi!

    Voll erwischt! Also wir fallen ja in die Kategorie "Junge/Moderne Paare" ;)

    Zitat: "Dem Sieger winkt das Vorrecht bezahlen zu dürfen."

    Ja und auch dass stimmt bei uns... möchte nur erwähnen, das wir ein gemeinsames Konto haben, und der "Kampf" somit eigentlich unnötig wäre. :) Aber da wären wir wieder beim Thema... "männlicher Chauvinismus und weiblicher Starrsinn"... und dass Ganze mit einem breiten Grinsen und Augenzwinkern!

    LG Silvia

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  13. Alsoooooo, ich habe mich tatsächlich dabei ertappt, personen in meinem Bekanntenkreis zu suchen , die in die jeweilige Beschreibung passt, dabei ist mir aufgefallen, dass du Familien mit Kindern gar nicht beschrieben hast.......Gehts du immer ohne Kinder oder kennst du einen laden in dem kinder nie nicht erlaubt sind???? den will ich sofort wissen und uin zukunft würde ich nur noch bei dieser kette kaufen.....

    Und ich bin mir einig, du solltes darüber unpedinkt ein Buch schreiben.....

    Grüße INa

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  14. @Ina: Grundsätzlich gehe ich morgens einkaufen, wenn meine Mäuse im Kindergarten sind. Wenn das mal nicht so ist, dann bekommen alle Menschen im Laden ein Schauspiel geboten, für das sie eigentlich Geld bezahlen müßten.......*muahahaha*
    Außerdem vergesse ich dann die Hälfte, weil mich meine Kinder so in Anspruch nehmen. Aaaaaahhhh. Darüber schreibe ich die nächsten Tage auch was. Guuuuute Idee.

    LG von Juliane

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  15. Wirklich sehr gut beschrieben, liebe Juliane. Zugegebenerweise habe ich meine Verhaltensweise an diversen Stellen wiedergefunden. Du hast ein gutes Auge. Wenn ich an der Kasse stehe, dann muss es nur schnell gehen. Darauf habe ich noch nie bewusst geachtet. Nun werde ich das sicher tun.

    Es fehlen aber noch quengelnde Kinder und ihre hilflosen Mütter beispielsweise. Wenn ich was hasse, dann sind es schreiende Kinder in Supermärkten.

    Danke, Du hast mir wieder mal ein Schmunzeln entlockt.

    Liebe Grüße
    Gisela

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  16. @Gisela: "Hass" ist ein starkes Wort für ein schreiendes Kind im Supermarkt.
    Nichtsdestotrotz bin ich insofern Deiner Meinung, als das es durchaus auch unangenehme Begebenheiten beim Einkaufen gibt.
    Aber das ist das Schöne bei diesen Dingen. Ich kann mitten im Chaos stehen, mir alles mit hellem Blick ansehen, mich amüsieren oder ärgern und dann ganz einfach............ nach Hause gehen und die Tür wieder hinter mir zumachen.

    LG Juliane

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  17. Oh wie herrlich! Ich finde ja Sozialstudien zu treiben auch so was von amüsant! Am liebten sitze ich in der Fußgängerzone bei einem Kaffee und beobachte nur.... köstlich!
    Danke -du hast ein Lächeln auf mein Gesicht gezaubert.
    Liebe Grüße Birgitta

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  18. Liebe Juliane,

    "Hass" ist nur das Gegenteil von "Liebe". Etwas, was mir gewaltig auf den Wecker geht, kann ich nicht lieben. Das hat nichts mit dem Kind zu tun, sondern bezieht sich allein auf die Situation.

    Aber zum Glück ist so etwas nicht lange auszuhalten - nur muss die Gesellschaft später solche Erwachsenen ertragen, die als Kinder wenig Erziehung genossen haben.

    LG, Gisela

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