Mittwoch, 5. Oktober 2011

Alter Wirkungsbereich........

Gestern habe ich mit meinen Mädchen eine Freundin besucht, die in Recklinghausen lebt. Sie ist innerhalb der Stadt umgezogen und lebt nun in unmittelbarer Nachbarschaft meiner alten Arbeitstelle.
So bin ich gestern nach ungefähr 4 Jahren zum ersten Mal wieder meinen kompletten Weg zu meiner ersten Arbeitsstelle gefahren..................
Da kamen Erinnerungen hoch................
Jede Ecke, jede Straße vertraut. Graffities, die ich schon längst vergessen hatte, lachen mir immer noch entgegen und sie sind mir noch so vertraut, als wäre ich gestern erst daran vorbei gefahren.....
Häuser erinnern mich an Begebenheiten und füllen meinen Kopf mit Geschichten, mit Ärger, Spaß, Lachen, Furcht, Spott, Trauer, Bedauern, Freude am Leben, den Erinnerungen an Dauerkunden. Alle diese Gedankenfäden sind verknüpft mit meinen damaligen Kollegen.

Plötzlich fallen mir ihre Namen wieder ein, an die ich so lange nicht mehr gedacht habe. Zumeist Spitznamen und Nachnamen. Namen sind für mich Schall und Rauch und entgleiten mir, sobald ich sie nicht mehr benutze. Gesichter und Gespräche tauchen aus dem geistigen Bodennebel auf, manche versinken sofort wieder und bei manchen verweile ich. Sie zeigen mir reinigende Gewitter in der Gruppe, Lachtränen auf den Wangen und schreckensbleiche Gesichter nach Hiosbotschaften, eigene Verzweiflung und wilde Freude, Furcht die mir den Magen verkrampft und in der Kehle pocht, schöne gemeinsame Feiern und tiefster Zorn.
Das Gefühl von Sicherheit, Vertrautheit und hoher Kompetenz während der täglichen Arbeit. Man kennt sich in der Gruppe in- und auswendig. Wissen um Krankheiten, Affären, Geldnöte, Ehestreitigkeiten, Kindersorgen und auch Glück kommt automatisch in langen Nächten.

Viele habe ich kennen gelernt und manche von Ihnen sind schon nicht mehr. Krankheiten, Unfälle, fremde und eigene Hände haben nachgeholfen. Plötzlich ist alles wieder präsent. Ich denke an meinen Kollegen Micha, mit dem ich eine zeitlang die Schichten verbracht habe. Ich weiß noch wie er aussah mit seinen blonden Stoppelhaaren und dem Schnurrbart, zwei Köpfe größer als ich, wie er den Kopf drehte und jedem das gab, was er benötigte. Fort, das Lebensbuch selber geschlossen. Die Nachricht war wie Eiswasser im Gehirn. Tränen kommen wieder hoch und werden weggewischt bevor mich die Kinder fragen können: "Mama, was ist denn los?"

Würde ich jetzt dort ins Gebäude treten, dann müßte ich klingeln, weil ich keine Einlaßkarte habe. Mit Glück würde mich ein alter Kollege in Empfang nehmen, der mich noch kennt. Einer von den Urgesteinen, die nicht mehr die Stelle wechseln und wie die Felsen in der Brandung den Malstrom und die Gischt der jungen Kollegen abwettern, die dort für ein oder zwei Jahre auftauchen und dann weiterziehen um sich beruflich zu entwickeln.
Ich mag diese Kollegen, sie kennen ihre Stadt, fühlen ihren Puls, wissen um die Menschen und die Ecken um die man sich besonders kümmern sollte...........

Jahre sind vergangen und es werden noch weitere vergehen bis ich wieder täglich den gleichen Weg fahren werde.

Kommentare:

  1. Eine wunderbare Reflektion mit schönen und nachdenklich stimmenden Worten.
    Sei stolz auf Dich, dass Du so empfinden kannst. Sei stolz auf dich, dass Du es in Worte fassen kannst. Und sei stolz auf Dich, dass Du Erinnerungen am Leben hälst die es wert sind weiter zu leben.
    Ich wünsche Dir einen schönen Tag. LG Kirsten

    AntwortenLöschen
  2. What wonderful memories and thoughts of your life. Thanks for sharing it with us.

    Have a great weekend,
    Judy

    AntwortenLöschen