Mittwoch, 16. Februar 2011

Was wäre wenn........

In dieser Woche wurde ich beim Einkauf im Supermarkt meines Vertrauens an der Kasse gefragt:"Waren Sie mit Ihrem Einkauf zufrieden? Haben Sie alle Produkte bekommen, die Sie suchten?"
Nun, ich bin eine genügsame und leicht zufrieden zu stellende Kundin und so habe ich ebenso brav wie meine Vorgänger an der Kasse geantwortet: " Vielen Dank, wie immer bin ich sehr zufrieden mit meinem Einkauf hier!" Und siehe da! Ich habe einen Menschen glücklich gemacht. Die Frau an der Kasse richtet sich ein wenig auf und wird größer, die Schultern straffen sich und ein dankbares Lächeln huscht über das verhärmte Gesicht.

Ich bemerke so nebenbei, daß meine Antwort nicht vermerkt wird. Jetzt regt sich in meinem Hinterkopf ein kleiner Bösewicht, der flüstert: "Was wäre wenn?"

Tja, was wäre denn, wenn die Antwort gelautet hätte: "Nein, um ehrlich zu sein, war ich ein wenig enttäuscht über die mangelnde Auswahl an Produkten. Ich hätte dringend Roggenschrot gebraucht, aber das konnten Sie mir ja nicht anbieten. Jetzt muß ich zur nächsten Mühle fahren und dort mein Schrot kaufen. Ich bin nicht sonderlich amüsiert darüber!"

Ohhhh, ich kann es schon vor meinem inneren Auge sehen. Die Frau an der Kasse stutzt und fällt dann ganz langsam hinter dem Scanner in sich zusammen. Eine matte Hand tastet sich zum Mikrophonknopf und ein gequälter Aufschrei hallt durch den Markt: "Herr K. (der Chef) bitte zur Kasse!" Und dann sitze ich in der Falle! Die Kunden hinter mir in der Schlange auch. Unmut macht sich breit, weil der Chef nicht sofort an der Kasse materialisiert und alle warten müssen. Wegen mir! Weil ich gemeckert habe! Böse Blicke treffen meinen Rücken, Füße scharren und eine alte Dame diskutiert mit ihrer Hinterfrau, daß es sowas früher nicht gegeben hätte! So jemanden frei herumlaufen zu lassen!

Der Chef wird kommen und mich wahrscheinlich am Oberarm in sein Büro zerren um mich inquisitorisch zu befragen und weichzukochen. Habe ich eigentlich Zeit dafür? Egal! Jeder ist für seine Handlungen selber verantwortlich und ich habe mich schließlich beschwert. Die Mindeststrafe liegt in einer halben Stunde Büroarrest. Die Ketten klirren leise an meinen Fußgelenken während der Marktleiter kreidebleich vor mir sitzt und immer wieder: "Warum tun Sie mir das an? Warum?"flüstert. Ich weiß es auch nicht. Ich schäme mich. Dann breche ich zusammen und kapituliere. Ein leiser Laut entflieht meinen zitternden Lippen: "Irrtum!"...............

Ein erleichterter Aufschrei des Chefs hallt durch den Markt : "Entwarnung! Sie hat es nicht so gemeint. Sie hat sich geirrt. Sie wollte gar kein Roggenschrot, sondern Roggenvollkornmehl. Das haben wir natürlich vorrätig!" Der Jubel hallt durch alle Einkaufsgassen und das Roggenmehl wird mir feierlich überreicht. Ich bin entlassen. Für dieses Mal!
Jetzt muß ich mich nur noch einmal in der Kassenschlange anstellen um das Roggenmehl zu bezahlen.
Am Ende des Liedes kommen wir wieder am Anfang an: "Waren Sie mit Ihrem Einkauf zufrieden? Haben Sie alle Produkte bekommen, die Sie gesucht haben?"
Meine Antwort? "Mein Leben ist vollkommen, seitdem ich hier einkaufe!" Und siehe da! Ich habe einen Menschen glücklich gemacht.

In diesem Sinne: Fröhlichen Einkaufsbummel!

Kommentare:

  1. Wie herrlich! Wunderschön bildhaft geschildert- beim nächsten Einkauf werde ich garantiert daran denken müssen.

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  2. Liebe Jule,
    ich hab dich soeben zu meiner persönlichen Heldin des Alltags gekürt.

    Liebe Grüße

    Alva

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  3. Liebe Jule, du schreibst so bildlich, aber hier in La France ist es eigentlich mgekehrt, hier muss amn in drei Supern sein, um alles zu bekommen und die Fleischwarenverkäuferin versteckt sich hinter der Theke, wenn Kunden kommen und weigert sich, mal Käse zu verkaufen, nicht ihr rayon...
    Aber man gewöhnt sich dran, die Mentalität ist eben genau umgekehrt, der Verkäufer ist König und der Kunde muss froh sein, dass man ihm die Türen öffnet.
    Super bei uns in der Nähe zwischen 12.30 un 14.30 geschlossen, Läden sowieso...
    Ha, heute gehen wir einkaufen, aber in die Stadt...
    Ganz herzlich Anett

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  4. *lol* du solltest unter die Schreiblerlinge gehen ;) - das war ja ein richtig gutes Feuilleton ;)

    glg, Sunsy

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