Donnerstag, 20. August 2009

Kurios....

....oder bizarr?

Wie jeden Donnerstag morgen beehrte ich die örtlichen Supermärkte mit meiner erlauchten Anwesenheit.
Und zum wiederholten Male wurde mir bewußt, das ich nicht den Kopf der Wurstschlange als am meisten nervtötend empfinde ("Tun se' mich mal zwei Scheibchen von der Sülze!"), sondern ein Kuriosum, das mir ganz häufig auffällt und mir auch unerklärlich ist.

Die einarmigen Frauen!

Normal gebaute Frauen (Kopf, Rumpf und Grundausstattung an Extremitäten) mutieren an der Supermarktkasse zu einarmigen, in ihren Bewegungen extrem eingeschränkten, Menschen.

Ihr kennt sie auch! Gehört Ihr vielleicht auch dazu? Dann bitte ich jetzt schon um Verzeihung!

Ich stehe also mit meinem Einkaufswagen hoffnungsfreudig vor der Supermarktkasse und warte darauf, das ich die Waren auf das Band legen darf. Zuerst ist die Dame vor mir an der Reihe.
Gerade noch im Besitz zweier Arme und Hände macht die Dame einige komische Verrenkungen, kramt in ihrer Schultertasche (Größe: Schinkenbeutel) und befördert eine Geldbörse (Größe: Oberkellner) und ein Schlüsselbund (Größe: Hauswirtschafterin) hervor.
Diese Gegenstände, wahrscheinlich heiliger Art, werden liebevoll in der Hand gehalten, während die jetzt einarmige Frau nur noch einen Arm und eine Hand hat, um ihre Waren auf das Band zu stellen.
Die dabei dargebrachten Verrenkungen sind derart unbeholfen und komisch, das mich fast das Mitleid übermannen könnte......aber ich weine ja nicht in der Öffentlichkeit.
Mit Daumen und zwei Fingern der freien Hand werden schwere Dosen, sperrige Verpackungen und Nahrungsmittel gegriffen und auf das Band befördert.
Ganz häufig fallen die Waren wieder aus dem Zangengriff und purzeln zurück in den Einkauskorb. Teil um Teil um Teil um Teil wird auf das Band gelegt.

Mama Wollfrosch (garantiert zweiarmig, auch an der Kasse) wird nervös! Die Kassiererin nicht. Sie kennt das Spielchen.

Den Sinn der ganzen Angelegenheit habe ich nie verstanden. Ist es ein altes Ritual, das ich nicht verstehe? Spenden die Börse und der Schlüsselbund Trost und Halt in diesen schweren Zeiten?
Sind sie heilig?
Die Schultertasche ist doch da. Die Gegenstände sind wohl aufbewahrt. Warum muß ich sie unbedingt vorher rausholen? Damit es beim Bezahlen schneller geht? *uahahaha*
Ich weiß es nicht.

Was ich auf jeden Fall weiß ist, das ich mir das spöttische Kichern an der Kasse abgewöhnen muß. Ich werde schon angestarrt! Bizarr!

Kommentare:

  1. *lol* *rofl* Ich schmeiß mich weg! Ohja, diese Damen sind mir wohlbekannt und ich würde ihnen zugern meine freien Hände leihen. *g*

    Ich habe keine Ahnung, warum so viele Frauen, ihren Einkauf so handhaben. *kopfschüttel*

    Ich zumindest bin glücklich ausgestattet mit zwei Armen und Händen und weiß sie auch zu nutzen.

    Was mich fast noch mehr wundert sind die Frauen, die an der Kasse beide Hände frei halten, aber dennoch nur eine Hand benutzen, um ihre Ware aufs Band zu legen. Da könnt ich jedes Mal wahnsinnig werden.

    Mir steht der Einkauf auch gleich noch bevor und mal sehen, vielleicht inspiriert mich Dein bericht ja zu interessanten Beobachtungen. ;)

    LG
    Melli

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  2. Kichere du nur weiter, liebe Jule! Du hast ein verdammtes Recht dazu! Diese einarmigen Frauen - größtenteils nicht berufstätig oder bereits im Ruhestand und grundsätzlich zu Feierabendzeiten vermehrt in Supermärkten anzutreffen - sind eine Spezies, deren Existenzberechtigung sich mir bislang noch nicht erschlossen hat.

    Wenn du dem Rätsel dieses Rituals einmal auf die Spur kommen solltest - womöglich durch intensive Verhaltensforschung in Labor und natürlichem Lebensraum - so lasse es mich bitte wissen! Ich nöchte doch nicht dumm sterben!

    Grinsegrüße schickt dir Kirstin (die bestimmt jetzt DOCH als Ameise wiedergeboren wird, dann aber wenigstens noch mehr als zwei Hände an der Supermarktkasse zur Verfügung hat *lach*)

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  3. Hi, hi, ich finde es auch komisch, aber wenn man die Sache psychologisch angeht, denken diese Frauen, dass sie a) das Geld schneller zur Hand haben und somit den Verkaufsablauf nicht behindern (was natürlich völliger Quatsch ist) und b) ihr Portemonnaie in der Hektik im Taschengewusel schneller finden. Ich ertappe mich auch hin und wieder dabei, dass ich schon im Vorwege nach dem Portemonnaie greife und schon mal beginne, einarmig die Ware aufs Förderband zu legen. Meistens lasse ich mein Portemonnaie aber wieder kopfschüttelnd in die Tasche zurückplumpsen und erledige schön eine Sache nach der anderen.

    Meistens sind es extrem nervöse Frauen, die so etwas machen. Wenn sie ganz und gar durch den Wind sind, wird das Portemonnaie sogar zwei, drei Mal hintereinander rausgeholt und wieder reingelegt oder irgendwelche Dinge auf dem Förderband sinnlos zurecht gerückt.

    Einarmig - versteht sich ;-)

    Wenn ich das nächste Mal einkaufen gehe, werde ich verstärkt auf dieses "Syndrom" achten. *grinsel*

    Viele liebe Grüße von Inken

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  4. Hallo meine Tochter
    woher hast Du nur die Kenntnis über die Größe eines Hauswirtschaftlichen Schlüsselbundes? Ist es nicht gut, das wir Dich mit zwei Armen und den dazu gehörigen Händen ausgestattet haben ??
    Bis bald mal
    Mama

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  5. @Mama: Als hätte ich nie Dein Monsterschlüsselbund gesehen. So schwer und groß wie ein Morgenstern.

    Bis bald, Jule

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  6. Hmmm, ich gehöre eindeutig zur Fraktion der "Einarmigen". Nicht, dass ich den zweiten Arm nicht benutzen könnte- und er wird auch benutzt, wenn schwerere Sachen im Einkaufswagen vorhanden sind.

    Nein, bei mir ist es eine ganz bewusste "Entschleunigung".
    Hibbelnde Kunden hinter mir, die schon anfangen ihre Ware auf das Band zu legen bevor ich mit dem Aufpacken fertig bin (egal ob ich mit einem oder zwei Armen auspacke), eine Kassiererin, die im Stakkatotempo die Ware durchzieht und schon fordernd die Hand nach dem Geld ausstreckt obwohl die Ware sich an der minimalen Kassenablage noch bedenklich in die Höhe stapelt. Ich finde das schlimm.

    Ich hab beschlossen, mich nicht mehr davon wuschig machen zu lassen.
    Und dass viele ihr Portemonnaie schon vorzeitig das der Tasche kramen liegt auch an der überbescheunigten Abwicklung. Wie steht man da, wenn die Kassiererin die Hand aufhält und man dann erst anfängt das Portemonnaie zu suchen und die Kunden hinter einem ungeduldig trappeln und böse Blicke zuwerfen. Versucht es mal ;)

    Ich finde Deinen Bericht aber trotzdem klasse- eine schöne Beobachtungsgabe hast Du :)

    Aber nun kennst Du ja immerhin einen Grund für das "unerklärliche" Verhalten *g*

    LG
    Christine

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  7. Hallo Jule,
    ich habe mich heute beim Einkaufen erwischt. Ich gehöre auch zu den Einarmigen *lach*. Allerdings habe ich nie eine Handtasche dabei. Da ich ein ziemlich großes Portomonaie habe, passt es nicht in alle Hosentaschen. Dann befindet es sich in meiner Hand. Mir ist nie aufgefallen, dass ich damit nerve (ich bin oft in Gedanken versunken, ob ich alles habe). Ich versuche mal, mich zu bessern.
    Liebe Grüße von der Einarmigen Moni

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