Mittwoch, 10. Dezember 2008

Die Naive Vorstellung es ändert sich in Abwesenheit nicht das Geringste...

Da arbeitet man 2 Jahre lang intensiv mit einem Kollegen zusammen. Verbringt sehr häufig 8 Stunden zusammen auf engsten Raum in einem Auto. Erfährt mit der Zeit alles, was den Kollegen in Freud und Leid bewegt. Gehört zu den Ersten, die erfahren wenn in der Ehe etwas schief läuft, wenn das Kind Erfolge erzielt oder einen Bock geschossen hat, wenn die Finanzen in Schieflage geraten oder der große Gewinn erziehlt wurde.
Steht in bedrohlichen, traurigen, ärgerlichen oder lustigen Situationen zusammen.
Dann wechselt man den Arbeitsplatz. Sieht sich nur noch selten und lernt andere Kollegen ebenso tief kennen.
Schließlich kommt das erste Kind und man geht in die Elternzeit. Hat nichts mehr mit den Kollegen zu tun. Hört ab und zu einige Kleinigkeiten aber das war es auch.
Und dann hilft der Ehemann auf der jetzigen Dienststelle des "alten" Kollegen aus und erzählt in einem Telefonat, daß er jetzt auf dem Arbeitsplatz des Kollegen sitzt und arbeitet.
Der Kollege sei zur Zeit krank geschrieben.
Und dann mußt du hören, daß dieser Kollege schwer an Krebs erkrankt ist. Metastasen in Leber und Knochen hat und jetzt seine zweite Chemotherapie durchmacht......
Und Du merkst richtig, wie das Wort "Krebs" sich in Deine Gedanken frißt und die Welt sich langsamer dreht, weil Du versuchst, die ganze Dimension zu begreifen und es nicht schaffst.
Und das Erste was Dir einfällt ist, daß der Kollege damals einen Sohn im Kindergartenalter hatte und der dort immer zu den "Mädchenbeschützern" gehört hat und bei den Minikickern war, die Dein Kollege trainiert hat.
Jetzt ist der Sohn ca. 13 Jahre alt und der Kollege 50 Jahre und tief im Herzen weißt Du ganz genau, daß Dein Kollege nicht mehr viel Zeit hat......

Seit Montag weiß ich jetzt, daß Frank Krebs hat und ich fühle mich jedesmal wie vor den Kopf geschlagen, wenn ich daran denke....

Ich habe nie darüber nachgedacht, aber irgendwie habe ich wohl die Vorstellung gehabt, daß sich nichts ändert, während man Abwesend ist. Naiv ist das und völlig falsch.

Kommentare:

  1. Hallo Jule!
    Ich verstehe Dich sehr gut. Manchmal schlägt eine Nachricht ein wie ein Blitz. Und man steht da und fragt sich: Warum???
    Besuch doch den Kollegen mal, er freut sich bestimmt! Und Krebs bedeutet nicht automatisch das Todesurteil. Wir versorgen viele Krebspatienten. Manchmal geht es den Leuten besser, manchmal eben auch nicht, aber das haben wir nicht in der Hand. Wir haben nur in der Hand, wie wir mit der Situation umgehen. Ich wünsche Dir viel Kraft!

    Liebe Grüße
    Daniela

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  2. Jule, ich weiß wie du dich fühlst. Irgendwann bekommt jeder mal so eine Nachricht :(. Sehr schlimm fand ich auch, als ich erfuhr, dass eine meiner Freundinnen, mit der ich noch 2 Tage zuvor in ihrem Haus gelacht habe, nach Hause kam, ihre Einkaufstasche abgestellt hat und einfach so tot umgefallen ist. Auch heute noch schießen mir Tränen in die Augen, wenn ich daran denke.
    Gerade in solchen Augenblicken wird mir immer bewusst, wie vergänglich und unvorhersehbar das Leben ist und dass wir möglichst immer das Beste daraus machen und nie eine Entschuldigung aufschieben sollten.
    Ich denk an dich
    Liebe Grüße, Sunsy

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  3. ich hab in den letzten drei wochen zwei menschen (vater und tochter) im bekannten/freundeskreis gehabt, die kurz hintereinander an krebs gestorben sind. ich habe gesehen, wie schnell und aggressiv der frisst (und dass man bei metastasen sehr wahrscheinlich nur noch eine begrenzte zeit hat).

    wenn du irgendwie kannst und ich dir was raten darf, dann nutze die zeit die dir bleibt und die erfahrung, die du machen musst. wenn du das möchtest, dann besuche den kollegen unbedingt, wenn du möchtest biete deine hilfe und deine schulter an - wenn die zeit abgelaufen ist kannst du deine entscheidung nicht mehr revidieren, und DAS ist manchmal noch schlimmer als der verlust. und wenn du irgendwie kannst dann schau, was dich diese erfahrung lehrt: dass man menschen seine wertschätzung zeigt und nicht denkt: "das mach ich später", das man sich konflikten stellt und dinge ins reine bringt und dass man bewusster lebt und das, was man hat geniesst und schätzt.

    sorry, das sollte keine predigt werden. ich kann sehr gut nachfühlen, was in dir vorgeht. sprich mit den leuten die dir wichtig sind einfach über das was in dir vorgeht, es wird dir sicher gut tun.

    für deinen kollegen und freund wünsche ich das beste (kinder sollten nicht vor ihren eltern gehen und eltern sollten ihre kinder nicht so früh verlassen).

    alles liebe & viel kraft für dich, Cecie

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