Freitag, 16. November 2007

Abschluß - Sehr lang und sehr persönlich.

Die letzten 14 Tage haben mich und meine Familie körperlich und psychisch ziemlich belastet, daher muß ich jetzt mal gedanklich einen Strich unter diese Zeit ziehen, alles zusammenrechnen und dann nach vorne Schauen.

Als ich am Dienstag vor 14 Tagen mit Magenschmerzen zum Arzt ging, hatte ich keine Ahnung, daß ich drei Stunden später schon im Hemdchen auf dem OP-Tisch liegen würde. Als mich der Arzt fragte, ob ich noch meinen Blinddarm hätte, da klingelten bei mir alle Alarmglocken. DARAN hatte ich wirklich mit keinem Gedanken gedacht. Mit der Überweisung in der Tasche bin ich dann nach Hause gefahren, um Roger mitzuteilen, daß der sehnlichst erwartete Urlaub gerade ins Wasser gefallen war und ich jetzt zum Krankenhaus müsse. Ich habe noch nie gesehen, wie meinem Mann von jetzt auf gleich das Blut aus dem Gesicht wich. Am Schlimmsten fand ich, daß ich ganz alleine zum Krankenhaus fahren mußte, weil sich mein Mann um die Kinder kümmern mußte. So kurz vor der Abendessens und Bettzeit noch ein Theater mit den Kindern zu veranstalten und sie zu den Nachbarn zu bringen, verbot sich von selbst.
Als ich dann ganz alleine im Krankenhaus war, die Untersuchungen (Blutabnehmen, extrem schmerzhaftes Drücken auf dem Bauch etc.) hinter mich gebracht hatte, da hätte ich meinen Mann gut gebrauchen können. Aber ging ja nicht.

Als mir der Arzt dann sagte, daß meine Entzündungswerte mit 70 schon jenseits von Gut und Böse lägen und ich jetzt operiert würde, da dachte ich nur: "Gott sei Dank so früh wie möglich! Weg ist weg!"

Ich bin noch nie operiert worden und wußte nicht, was auf mich zukam. Aber das war alles o.k. Die Ärzte haben smalltalk mit mir gehalten, damit ich mich etwas entspannte und das hat auch gut geklappt.

Nach der OP war ich hellwach. Habe sogar Roger angerufen und ihm gesagt, daß er mich um 21:00 Uhr besuchen kommen könne.

Die nächsten 4 Tage waren so richtig schlimm für mich. Die Schmerzen waren nicht so schlimm. Schmerzen habe ich noch immer gut ertragen können. Aber ich hatte so ein Heimweh nach meinen Lieben. Das kann man sich gar nicht vorstellen. Ich habe mir nur gedacht: "Du bist doch kein kleines Kind mehr, jetzt reiß dich mal zusammen!" Aber das ging nicht. Seitdem ich mit meinem Mann zusammen bin, waren wir noch nie getrennt. Wir gehören zu den Menschen, die gerne viel aufeinander hocken. Ich brauche keine Pause von meinem Mann. Wenn er nicht da ist, dann fühle ich mich nur wie ein halber Mensch und ich freue mich auch jedesmal tierisch, wenn er von der Arbeit kommt.
Weder mein Mann, noch ich haben jemals so viel geheult, wie in den paar Tagen.

Zu allem Übrefluß kam meine Oma auch am Dienstag mit einem schlimmen Schlaganfall ins Krankenhaus und die ersten zwei Tage sah es so aus, als würde sie nicht überleben. Und ich saß im Krankenhaus fest, ohne die Möglichkeit meine Oma zu verabschieden. Das war grausam. Bei jedem Telephonanruf habe ich erwartet, daß mein Bruder dran ist, um mir mitzuteilen, daß Oma gestorben ist. Aber Gott sei Dank ist sie dem Tod noch mal von der Schippe gesprungen. Gestern ist sie in die Reha gekommen. Leider wird sie ein Vollpflegefall bleiben.

Als ich es dann am Samstag nicht mehr aushielt und mich selbst aus dem Krankenhaus entließ, war das eine der besten Entscheidungen, die ich treffen konnte. Sofort fühlten wir uns besser. Meinem Mann ging die Hausarbeit und die Betreuung unserer Kinder leichter und mir ging es auch besser.

Auch unsere Mädchen (vor allen Dingen Emma) haben mein Fehlen nicht gut aufgenommen. Ich habe fast eine Woche gebraucht, um zu erreichen, daß Emma wieder mit mir schmuste oder mir ein Küßchen gab. Das war hart für mich und die Kinder.

Dann stand noch diese unsägliche Darmspiegelung ins Haus und meine Angst davor und diese schlimme Trinkerei am Tag davor haben mich auch sehr belastet. Dabei war die Untersuchung nur halb so schlimm.

Das die Untersuchung ohne Befund abgeschlossen wurde und alles bei mir in Ordnung war, war für uns eine große Erleichterung.

Dann kam die Botschaft von unseren Freunde, daß sie sich getrennt haben, und es für meine Freundin mit schmerzhaften Verletzungen geendet ist. Das hat uns auch sehr aufgeregt.

So sehr, daß ich gestern Abend im Bett lag, nicht einschlafen konnte und beim Nachdenken über diese Situation eine richtige Angstattacke bekam. Mit Schwitzen, Herzrasen, Übelkeit und einem ganz gräßlichem Bauchgefühl.

Daher habe ich mich entschlossen, heute ein paar Zeilen zu schreiben und den Mist hinter mich zu lassen.

Ergebnis der zwei Wochen für mich: Ich bin körperlich nicht fit, bin schnell müde und emotional nicht sehr belastbar. Ich bin fahrig und zittrig und häufig nicht bei der Sache. Und ich habe gemerkt, daß mein Mann und ich uns immer noch sehr lieben, auch wenn der Alltag unser Leben doch sehr bestimmt und wir nicht viel Zeit für uns haben.

Was ich will: Ich will mich wieder aufbauen. Ich will mich geistig von diesen Tagen trennen. Ich MUSS und WILL vieles lockerer sehen. Ich darf mich nicht so fertig machen lassen von den Problemen anderer. Und ich habe gemerkt, daß ich in unseren Alltag diese kleinen Zärtlichkeiten von Frau zu Mann und umgekehrt wieder strärker in den Vordergrund bringen muß.

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