Vor einigen Wochen trat eine Mitspinnerin unserer Spinngruppe Münster mit der Frage an uns heran, ob wir wohl Lust und Zeit hätten zu einem Mittelalter- und Handwerkermarkt zu kommen.
Nach einem Augenblick der Stille (mal abgesehen vom Surren der Spinnflügel) kam dann die vorsichtige Frage: "Müssen wir denn dann auch in Gewandung kommen oder dürfen wir Räuberzivil tragen?"
Als wir dann hörten, das es nicht nur ein Mittelaltermarkt, sondern auch ein Handwerkermarkt sein soll und es daher erlaubt sei auch in Jeans und T-Shirt aufzukreuzen, ging ein merkliches Aufseufzen durch die Gruppe und der allgemeine Konsens war: "Na wenn das sooo ist, dann komme ich gerne!"
Tja, aber irgendwie bin ich diesen Gedanken nicht mehr los geworden und die alten Leinenballen meiner Oma im Keller haben nach mir gerufen. Als dann auch noch beim letzten Spinntreffen eine von uns ihre Gewandung Probe trug, da waren wir doch alle begeistert und zu diesem Zeitpunkt stand für mich fest:
Ich gehe zünftig gewandet zum Markt.
Der Markt ist der Mittelalter-und Handwerkermarkt am 25.-und 26. August 2012 im La Vie in Münster Gievenbeck. Ich freue mich schon riesig darauf.
Mit der lieben Starthilfe von Denise bin ich dann auf die Seite
Gewandungen.de (heißen Dank an Gabriele Klostermann) gestoßen und habe mich zuerst einmal informiert, denn ich wollte nicht irgendeinen Schnickes nähen, sondern ich wollte im Punkt der Authentizität nicht ganz im Abseits landen.
Also habe ich mich für ein Unterkleid nach diesem
Schnittprinzip entschieden. Da das Bauernleinen meiner Großmutter sehr breit gewebt ist, ist das Kleid auch etwas breiter geworden, als es für meine Figur hätte sein müssen. Aber ich wollte so wenig Verschnitt wie nur möglich haben und kein Tuch vergeuden.
Und so sieht es nun aus. Mit Inhalt sozusagen. Dafür, das ich noch nie ein Kleidungsstück genäht habe, ist es ganz gut geworden. Selbstverständlich ist es knöchellang aber meine skandalös angemalten Zehennägel konnte ich doch nicht verbergen. *grins*
Ich habe mich hier auf komplettes Neuland gewagt, denn ich habe vorher noch nie Kleidung genäht und ich habe auch noch nie sooo viele und soooo lange Nähte mit der Hand genäht............und versäubert.
Die Gehren an der Seite, die mir das Laufen erleichtern sollen, habe ich direkt unter den Achseln angesetzt.
Die Naht der Ärmel ist (wie heutzutage üblich) unten gelegen. Zur damaligen Zeit (ca. 1230) waren die Ärmel auf der Rückseite zugenäht. Das habe ich aber leider in dem Augenblick mit meinem Köpflein nicht in Einklang bringen können und da ich keine nervliche Zerüttung riskieren wollte, habe ich mich für die einfache Variante entschieden.
An der Unterkante des Kleides habe ich über den Saum noch einen zweiten Saum als Stoßkante angenäht. Dazu habe ich Abfallstücke vom Zuschneiden mit schwarzen Tee (hatte nix anderes da) braun gefärbt und dann mit feinen Stichelchen angenäht. Ich finde diese Stoßkante sehr praktisch, weil sie zum Einen nicht so leicht anschmuddelt und weil sie zum Anderen mühelos zu entfernen und zu ersetzen ist, wenn der Saum durch den Gebrauch ausfranst. So wird das eigentliche Kleid geschont.
Nun bin ich sehr zufrieden mit dem Kleid. Darüber werde ich einen ärmellosen Überwurf aus Wolle ziehen.
Der Überwurf ist gerade "in der Mache". Abends spinne ich das Garn dafür und über Tag (so denn die Zeit dafür bleibt) verwebe ich das fertige Garn. Da das Wetter im Moment mitspielt werden die gewaschenen Stränge auch ratzfatz trocken.